Stress beim Hund und dessen Folgen

 

 

Kaum ein anderes Tier lebt so eng mit uns Menschen zusammen, wie der Hund. Dies bringt neben vielen Vorteilen auch einige Nachteile für den Hund. Einer davon ist zum Beispiel, dass Hunde beinahe den gleichen Stressfaktoren ausgesetzt sind, wie wir Menschen. Und wie bei uns kann Stress auf Dauer krank machen.

 

Stress ist im Allgemeinen sehr negativ belastet. Dabei ist Stress nichts anderes als ein notwendiges und sehr sinnvolles Anpassungsverhalten des Körpers auf bestimmte Umweltreize. Diese Reize werden vom Gehirn ausgewertet und lösen im Körper Reaktionen aus, welche ein bestimmtes Verhalten zur Folge haben. Die Funktion von Stress ist also aus biologischer Sicht eine temporäre Anpassung des Organismus an akute Begebenheiten. Man unterscheidet hierbei positiven und negativen Stress. Positiver Stress (Eustress) beschreibt eine Erwartungshaltung, bei der das Individuum in Erwartung von etwas ist, dass ihm Freude bereitet (z.B. das Ballspiel mit dem Hund). Negativer Stress (Disstress) hingegen ist deutlich belastender als positiver Stress. Das Individuum hat hierbei keine biologischen Reserven mehr, um die körperliche Belastung der Stresssituation auszugleichen. Dies kann im schlimmsten Fall zu Ängsten oder sogar zum Trauma führen.

 

Beide Stressformen können auf Dauer und/ oder bei hoher Intensität zu psychischen und physischen Krankheiten führen, wobei die Stressintensität und die Reaktion auf eine stressige Situation vom jeweiligen Individuum abhängig sind.

 

Symptome für Stress beim Hund können sein: Hochfrequentes Hecheln, Hyperaktivität, Überreaktionen/ Übersprungshandlungen (z.B. Bellen, Gähnen, Schütteln, etc.), Aufmerksamkeits-/ Konzentrationsmangel, Winseln, Unruhe, Zwangsverhalten (z.B. Jagen der eigenen Rute), Fressen großer Grasmengen, Beschwichtigungssignale, Aggressivität, Selbstverstümmelung und Exzessive Körperpflege. Auch Magen- Darm- Probleme, Polydipsi und Polyurie (verstärktes Trink- und Urinverhalten), Unsauberkeit, Hautprobleme und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten können auf einen gestressten Hund hindeuten. Auch Aufreiten und vermehrtes Beschwichtigen können Symptome für einen gestressten Hund sein.

 

Ob der Hund eine Situation als Stressor empfindet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zum einen natürlich davon, wie der Hund bestimmte Situationen wahrnimmt und verarbeitet. Darüber hinaus spielen jedoch auch interne Faktoren, wie etwa die genetische Disposition oder auch die individuelle Vorerfahrung eine Rolle. Es wäre auch schlichtweg falsch, zu behaupten, Stress ist in jedem Falls krankmachend. Man muss hierbei ganz klar zwischen akutem und chronischen Stress unterscheiden. Beim akuten Stress werden bestimmte körperliche Reaktionen ausgelöst, welche es dem Körper des Hundes ermöglichen, sich auf die kurzzeitige Anforderung an den Organismus einzustellen und diese zu überstehen. Zu diesen Reaktionen zählen die Erhöhung des Herzschlages, der Anstieg des Blutdrucks, die Verstärkung der Durchblutung sowie die Anspannung der Skelettmuskulatur, die Verminderung der peripheren Durchblutung, die Verschlechterung der Blutversorgung des Magen- Darm- Traktes und der Nieren, die Erweiterung der Bronchien und dadurch die Verbesserung der Sauerstoffaufnahme, der Abbau von Glykogen aus der Leber sowie die Zunahme der Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Nach einer solchen Stressphase folgt normalerweise eine Erholungsphase, in welcher sich der Körper des Hundes in sein natürliches Gleichgewicht zurückbringt. Fehlt diese Erholung, ist der Stress zu stark belastend oder von zu langer Dauer, spricht man von chronischem Stress. Dieser belastet das Immunsystem des Hundes derart, dass der Hund anfälliger für körperliche und seelische Erkrankungen wird. Gestresste Hunde sind zudem leicht erregbar, evtl. sogar aggressiv, ängstlich, impulsiv und emotional. Zudem leiden sie unter Konzentrationsmangel und Lernblockaden.

 

Um Stress abzubauen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. In jedem Fall sollte aber ein Trainer zu Rate gezogen werden, welcher die Haltung des Tieres und den Umgang mit selbigem unter die Lupe nimmt und anhand einer Analyse der Gesamtsituation herausfindet, wo der stressauslösende Faktor liegt. Anhand von gezielten Veränderungen des Umfeldes des Hundes, Verhaltensänderungen des Besitzers, individuell abgestimmtem Training und gegebenenfalls unterstützenden Maßnahmen wie Massagen und dem Konditionieren von Entspannungssignalen kann dem Hund bestmöglich geholfen werden.