Ernährungsmythen- kurz und knapp erklärt

Der Hund ist ein Fleischfresser!

  1. „Was? Dem Hund Gemüse geben? Was soll der Blödsinn? Einem Kaninchen schmeißt man doch auch kein Schnitzel in den Käfig!“

    Solche oder so ähnliche Aussagen kennen wir wohl alle. Der Hund stamme ja schließlich vom Wolf ab und ist deshalb ein Fleischfresser, der mit Gemüse nichts anfangen kann. Stimmt nur leider nicht so ganz. Ja, der Hund stammt vom Grauwolf ab, doch reine Fleischfresser sind beide nicht. Zoologisch betrachtet zählen sie zwar zu den Carnivoren, also Fleischfressern (oder eher „Beutetierfressern“), jedoch werden diese nochmal unterschieden in strikte und nicht- strikte Fleischfresser sowie solche, die gar kein Fleisch fressen, wie etwa der Pandabär. Zu den strikten Fleischfressern zählen z.B. Katzen, welche pflanzliche Kost schlecht bis gar nicht verwerten können. Zu den nicht- strikten Fleischfressern zählen, und dies dürfte einige überraschen, Wolf und Hund. Noch genauer betrachtet sind diese beiden Tierarten Carni- Omnivoren, was heißt, sie sind Allesfresser, welche sich aber hauptsächlich von tierischer Nahrung ernähren, aber auch durchaus pflanzliche Kost fressen und verwerten können. Hierzu zählen übrigens auch Waschbären und Füchse, welche als hundeartige auch eng mit dem Haushund verwandt sind und von welchen man weiß, dass sie, überspitzt gesagt, alles fressen, was nicht „bei drei auf dem Baum ist“. Auch Wölfe ernähren sich nicht ausschließlich von Fleisch, sondern fressen auch Gräser, Kräuter, Wurzeln, Früchte und sogar Blätter.

     

  2. Getreide ist schlecht für Hunde und löst Allergien aus!

    In letzter Zeit liest man immer häufiger, dass Getreide Allergien auslöst und sogar für Krebs verantwortlich ist. Woher dieser Mythos kommt, weiß ich leider auch nicht. Allerdings könnte ich mir durchaus vorstellen, dass dieser durch Futtermittelfirmen begünstigt wird, die damit werben, dass nur getreidefreies Futter wirklich gesund wäre.

    Oftmals heißt es, dass Hunde Getreide nicht verstoffwechseln könnten. Dies ist jedoch Blödsinn. Hunde haben über die Jahrtausende der Domestikation durchaus die Fähigkeit erlangt, Getreide verdauen zu können, vorrausgesetzt, es wurde thermisch oder mechanisch berarbeitet. Da Hunde nicht Kauen und die Körner somit vor dem Verdauungsprozess zerkleinern können, würden diese genau so wieder ausgeschieden, wie der Hund sie aufgenommen hat. Getreide ist auch nicht allergener als andere Nahrungsmittel. Was Getreideallergien jedoch begünstigt ist die Tatsache, dass es in den meisten kommerziellen Futtermitteln und Leckerlis enthalten ist. Je häufiger ein Stoff vorkommt, umso leichter entwickelt sich auch eine Allergie auf diesen. Auch für die Entstehung von Krebszellen spielen andere Faktoren eine Rolle. Zwar ist bei einem Krebsleiden eine kohlenhydratarme Ernährung angeraten, da sich Krebszellen von Kohlenhydraten ernähren- vorsorglich aber Getreideprodukte wegzulassen, ist nicht sinnvoll und schützt auch nicht vor einem Krebsausbruch.

  3. Hunde brauchen einen Fastentag!

    Diesen Mythos kenne ich schon seit meiner Kindheit und er hält sich seit Jahrzehnten wirklich hartnäckig. Er wird vor allem damit begründet, dass Fasten für den Hund natürlich sei, denn Wölfe fressen auch nicht jeden Tag. Jedoch ist dieses Argument wenig schlüssig. Wann und wie lange gefastet wird, ist vom Erfolg bei der Nahrungsbeschaffung abhängig. Ist genügend Beute vorhanden, fressen auch Wölfe täglich. Manche schwören auch auf den Fastentag, da dieser angeblich zur Entgiftung bzw. Reinigung des Darms führen würde. Tatsächlich führt da Fasten aber eher zu Imbalancen im Darm, da die Darmwand sowie die Darmflora kontinuierlich Substrat brauchen, um sich selbst ernähren und aufrecht erhalten zu können. Ein Fastentag führt auch sehr leicht zur Übersäuerung des Magens. Alles in allem gibt es keinen bewiesenen Nutzen eines Fastentages.

  4. Trockefutter ist wichtig für die Zahnreinigung!

    Auch hierfür gibt es keinerlei bewiesene Studien. Aus meiner Zeit als Tiermedizinische Fachangstellte weiß ich, dass auch mit Trockenfutter ernährte Tiere nicht seltener Zahnstein bekamen, als andere. Wie soll auch eine Zahnreinigung durch Trockenfutter stattfinden, wenn Hunde doch bekanntermaßen nicht in hohem Maße kauen, da sie Schlingfresser sind? Außerdem fallen die Kroketten aufgrund ihrer Beschaffenheit sofort auseinander, was einen Abrieb von Zahnstein oder Futterresten ebenfalls unmöglich macht. Für die Entstehung von Zahnstein spielen andere Faktoren, etwa die Genetik, aber auch der pH- Wert im Körper eine Rolle. Schlechtes Trockenfutter verändert diesen übrigens häufig ungünstig, was die Zahnsteinbildung fördert.

  5. Trockenfutter und Nassfutter darf man niemals mischen!

    Ja, warum eigentlich nicht? Als Argument wird hierfür immer die unterschiedlichn Verdauungszeiten der jeweiligen Futtermittelsorten genannt. Der Unterschied zwischen den Trocken- und Nassfutter liegt aber hauptsächlich im Wasser- und Energiegehalt. Von der Aufschließbarkeit bzw. Verdaulichkeit nehmen die sich gar nicht so viel. Man kann also durchaus beide Futtermittelarten mischen, solange der Hund es verträgt. Unter Muschern ist sogar eine Mischfütterung aus Trockenfutter und Fleisch oder Fisch relativ häufig anzutreffen, da diese Form den Hunden auf langen Strecken genügend Energie zur Verfügung stellt.

  6. Rohe Knochen, insbesondere vom Huhn, sind gefährlich und dürfen nicht gegeben werden!

    Nein! Ganz im Gegenteil: Knochen dürfen nur roh gegeben werden. Jeder Form des Erhitzens führt dazu, dass die Knochen porös werden und somit splittern. Diese Splitter können unheimlich gefährlich werden! Auch Geflügelknochen sind nur erhitzt gefährlich. Trotzdem sollte man bei der Fütterung von Knochen auch ein paar Dinge beachte. Markknochen sollten zum Beispiel eher nicht gegeben werden, da sie meist recht scharfkantig sind und sich im Maul so stark verkanten können, dass nur noch ein Tierarzt helfen kann. Ebenso sollten keine Knochen vom Wildschwein gegeben werden, aufgrund der Gefahr einer Ansteckung mit dem Aujezskyschen Virus. Gleiches gilt für Schweineknochen, es sei denn, das Schwein wurde auf Aujezsky getestet. Eine zu häufige Knochenfütterung sollte ebenfalls vermieden werden, da diese zu Verstopfungen durch Knochenkot führen kann. Da auch die Knochen alter Tiere relativ porös sind, sollte man von der Fütterung dieser absehen. Besser für den Hund ist es, Knochen jüngerer Tiere zu verwenden.

  7. Zu viel Protein lässt Welpen zu schnell wachsen!

    Diesen Satz höre ich auch von Tierärzten immer wieder. Fakt ist aber, dass nicht das Protein, sondern eine zu hohe Gesamtenergie des Futters einen Hund zu schnell wachsen lässt. Zu große oder zu fettreiche Portionen lassen den Welpen zu viele Kalorien aufnehmen, wodurch er auch schneller zunimmt und seine Endgröße schneller erreicht (welche, nebenbei bemerkt, nicht durch Futter beeinflusst werden kann, sondern genetisch vorbestimmt ist). Ein zu schnelles Wachstum führt, insbesondere bei großen Rassen, zu Problemen im Bewegungsapparat. Daher sollten Gewicht und Wachstum bei Welpen und Junghunden regelmäßig überprüft werden und die Futterrationen gegebenenfalls angepasst werden.

  8. Rohes Fleisch enthält zu viel Protein und führt zur Niereninsuffizienz!

    Hier möchte ich gerne aus dem Buch „Ernährung des Hundes“ von Robert Zentke zum Thema „Niereninsuffizienz“ zitieren: „Die Rolle der Fütterung ist umstritten, die oft vermutetete Beteiligung langfristig überhöhter Eiweißwerte und einer daraus resultierenden Schädigung der Glomerula (Anmerkung: Glomerula= Gefäßknäule in den Nierenkörperchen) mit nachfolgender entzündlicher Reaktion ist beim Hund nicht nachgewiesen worden.“

    Es ist also wissenschaftlich nicht erwiesen, dass eine übermäßige Proteinversorgung zu einer Schädigung der Nieren führt. Jedoch ist es auch nicht sinnvoll, übermäßig viel Protein zu füttern, da dies Nieren und Leber unnötig beansprucht.

    Fleisch ist auch, entgegen der allgemeinen Meinung, nicht proteinreicher als Fertigfuttermittel. Während Fleisch in der Regel einen Rohproteingehalt von 12- 14% hat, enthalten viele Fertigfuttermittel deutlich mehr Rohprotein.

  9. Rohes Fleisch macht krank!

    Fakt ist: Rohes Fleisch ist nicht keimfrei! Doch die Keime im Fleisch haben einen starken Gegner. Nämlich die Magensäure des Hundes. Diese kann unter Umständen einen Wert von 1 erreichen, abhängig von der Futtermenge und deren Zusammensetzung. Fleisch und Fleischerzeugnisse stimulieren die Magenäureproduktion. Dies bedeutet, dass der pH- Wert der Magensäure von mit Fleisch ernährten Hunden während des Verdauungsprozesses so niedrig ist, dass er für die meisten pathogenen Keime schädlich ist und diese inaktiviert. Die Ausnahme bildet auch hier wieder die Aujezskysche Krankheit in rohem Schweine- oder Wildschweinfleisch. Rohes Fleisch kann darüber hinaus auch Wurmeier enthalten. Dieser werden jedoch durch Einfrieren des Fleisches abgetötet. Vorsichtshalber sollte jedoch auch der Kot von roh- ernährten Hunden regelmäßig kontrolliert werden.

     

Und nun, Ladies und Gentleman, kommen wir zu meinem absoluten Favoriten unter den Ernährungsmythen:

 

 

  1. Der Geschmack und Geruch von rohem Fleisch oder Blut macht aggressiv!

    Wer kennt es nicht? Man schneidet sich beim Kochen in den Finger und schon geht es um Leben und Tod. Nicht wegen der verlorenen Blutmengen, sondern vielmehr deshalb, weil Bello das Blut gerochen hat. Nun steht er in der Tür, schäumend und mit blutunterlaufenden Augen. Wie eine Mischung aus dem Weißen Hai und Cujo! Er setzt zum Sprung an und man weiß- das war´s!

    Klingt bescheuert? Ist es auch! Denn genauso wenig wie jeder, der ein blutiges Steak isst, zum Serienmörder wird, wird auch ein Hund zur Bestie, wenn er rohes Fleisch bekommt. Ganz im Gegenteil: Ein Fütterung mit Rohfleisch kann sogar zu einem ausgeglicheneren Hund führen, da sie meist ein besseres Aminosäurenprofil aufweist als Fertigfuttermittel. Schlechtes Fertigfutter führt dagegen zu Unwohlsein, schlechtem Allgemeinbefinden und daraus resultierend auch manchmal zu Aggressivität. Aber: Dies passiert auch bei falscher Rohfütterung. Eventuell kommt dieses Gerücht ja einfach von einem Vorfall mit einem falsch ernährten Hund, der nur Fleisch bekam und dadurch so krank wurde, dass er übersteigerte Aggressionen zeigte? Wer weiß. Fakt ist jedoch, dass Rohfütterung nicht automatisch zu einem aggressiven Hund führt. Und sie steigert auch nicht den Jagdtrieb, wie manche meinen. Dieser ist nämlich hauptsächlich genetisch bestimmt. Also keine Angst. Ihr könnt eurem Hund ruhig beim Gulaschkochen ein Stück Rindfleisch geben, ohne dass er euch sofort in Stücke reißt.