Fertigfutter- Worauf muss ich achten?

 

Wer kennt es nicht? Man steht im Fachhandel, liest Etiketten, durchsucht ewig das Internet und ist hinterher trotzdem nicht schlauer. Welches ist denn nun das richtige Futter? Grundsätzlich gilt: Ob Fertigfutter oder BARF- wichtig ist, dass der Hund es verträgt. Bekommt er sprödes Fell, setzt übermäßig viel Kot ab oder kratzt sich vermehrt können dies erste Anzeichen sein, dass das Futter nicht optimal ist.

Letztendlich muss sich der Hundehalter entscheiden, welches Futtermittel zu ihm und seinen Vierbeiner am Besten passt. Hat man eine Wahl getroffen, steht man nun vor einem weiteren Problem. Worauf muss man beim Kauf achten, um ein möglichst optimales Produkt zu finden? Bei der Beantwortung dieser Frage möchte ich helfen. Ich beginne zunächst mit dem Trockenfutter.

 

Trockenfutter bietet einige Vorteile. Durch den geringen Wassergehalt von 3-11% ist Trockenfutter lange haltbar. Es ist in größeren Packungen verkäuflich und dadurch das günstigste Futtermittel, wenn man vom Kilopreis ausgeht. Zudem ist es einfach zu rationieren. Allerdings muss man bedenken, dass Hunde, welche mit Trockenfutter ernährt werden, einen höheren Wasserbedarf haben. Das Gerücht, dass Trockenfutter die Zähne reinigt, stimmt übrigens nicht. Tatsächlich sind die Kroketten meist so hart, dass sie beim Fressen einfach zerbröseln.

Schauen wir uns nun einmal an, was wir auf dem Futtersack an wichtigen Informationen finden. Wir beginnen mit der Zusammensetzung des Futtermittels. Man unterscheidet hierbei zwischen der offenen, der halboffenen und der geschlossenen Deklaration. Bei der offenen Deklaration werden die Komponenten mit prozentualem Anteil aufgelistet. Bei der halboffenen werden die Inhaltsstoffe zwar in der Reihenfolge ihrer im Futter enthaltenen Menge angeben, jedoch ohne den jeweiligen Prozentsatz. Bei der geschlossenen Deklaration nennt der Hersteller lediglich die Futtermittelgruppe, also zum Beispiel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Die letzte Form der Deklaration ist die ungünstigste, da sie den Hundehalter völlig im Unklaren darüber lässt, was genau im Futter enthalten ist. Wenn nun also auf dem Sack steht „70 % frisches Hühnerfleisch“ ist das gut, richtig? Leider nein! Aus Hygienegründen darf im Trockenfutter kein frisches Fleisch verarbeitet werden. Die Hersteller nutzen also Trockenfleisch. Manche Futtermittelhersteller geben auf ihren Produkten den Frischfleischanteil an, welcher dann den prozentual größten Anteil im Futter ausmacht. Allerdings wissen wir ja, dass Frischfleisch nicht in das fertige Futter gelangen darf. Das heißt, dass der Hersteller das Fleisch am Anfang der Produktion trocknen muss. Fleisch besteht zu ca. 70% aus Wasser, welches bei der Trocknung natürlich verloren geht. Somit bleibt von der ursprünglichen Menge nur noch ein kleiner Teil zurück, welcher im fertigen Futter einen deutlich geringeren Anteil einnimmt, als uns vom Hersteller vorgegaukelt wird. Andersherum geht es auch. Steht an erster Stelle der Deklaration Reis, geht man davon aus, dass dieser die größte Menge im Futter einnimmt. Folgen nach dem Reis jedoch verschiedene Fleischsorten/ Fleischmehle, kommt man, wenn man diese zusammenrechnet, wiederum auf eine höhere Menge als beim Reis. Somit ist dieses Futtermittel besser, als es auf den ersten Blick scheint. Es lohnt sich also immer, genau zu lesen. Was ist mit dem so oft verteufelten Getreide oder den Kohlenhydraten allgemein?Natürlich sollte ein Futtermittel nicht zum Großteil aus Getreide bestehen. Dennoch, schädlich sind Getreide und Kohlenhydrate im Futter nicht grundsätzlich. Auch die viel gefürchtete „Getreideallergie“ ist seltener, als die meisten denken. Hunde sind zudem durchaus in der Lage, Stärke zu verarbeiten. Daher ist ein gewisser Anteil an Getreide oder anderen Kohlenhydraten im Futter vollkommen legitim.Rübenschnitzel, welche in vielen Futtermitteln zu finden sind, sind übrigen nicht nur Füllstoff, sondern sorgen vor allem für eine Versorgung mit Ballaststoffen und dadurch für eine gesunde Darmtätigkeit. Öle bzw Fette, besonders Omega 3 und 6, sind für Hunde essentiell und sollten in einem guten Hundefutter unbedingt enthalten sein. Gute Quellen sind hierfür vor allem Lachsöl, aber auch Leinöl, Sonnenblumenöl oder Distelöl.

Besonders beachten sollte der Hundehalter vor allem die analytischen Inhaltsstoffe. Hierzu gehören Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser sowie Feuchtigkeit. Das Rohprotein umfasst Eiweiße und eiweißähnliche Bestandteile, lässt jedoch keine Rückschlüsse auf die Hochwertigkeit der Eiweiße zu. Ein Rohproteingehalt von 25% ist für einen gesunden, erwachsenen Hund völlig ausreichend. Höhere Proteingehalte sind unnötig, machen das Futter teurer und belasten Leber und Nieren.Das Rohfett beschreibt alle Öle, Fette und fettähnlichen Substanzen im Futter. Der Rohfettgehalt sollte mindestens 5% betragen, um die Versorgung mit allen essentiellen Fettsäuren zu garantieren. Wenn alle organischen Bestandteile des Futters auf 550 Grad erhitzt werden, entsteht die Rohasche. Diese umfasst Mineralstoffe, Spurenelemente und Sand. Bei einem Wert von unter 10% kann man davon ausgehen, dass der Knochenanteil sowie der Anteil an tierischen Bestandteilen wir Federn etc gering ist und eine hochwertige Proteinquelle verwendet wurde. Die nicht verdaulichen Bestandteile des Futters werden unter dem Begriff Rohfaser zusammengefasst. Ein erhöhter Gehalt von über 3 % führt zu geringere Akzeptanz und Verdaulichkeit sowie zu größeren Kotmengen. Ein zu geringer Gehalt führt wiederum zu verminderter Darmtätigkeit. Alle Prozentangaben beziehen sich auf die Empfehlungen von Meyer/ Zentek. Die meisten Trockenfutter haben eine hohe Verdaulichkeit der organischen Substanz von 85- 90%. Bei minderwertigen Produkten kann die Verdaulichkeit jedoch auf bis zu 80% abfallen. Welches Trockenfutter für den Hund das Beste ist, ist individuell zu betrachten. Die Zeit für einen genauen Blick auf den Futtersack sollte sich aber jeder Hundehalter nehmen, um seinem Liebling ein wirklich optimales Futter bieten zu können.

 

Kommen wir nun zum Nassfutter. Dieses zeichnet sich durch einen deutlich höheren Feuchtegehalt, nämlich >60%, gegenüber dem Trockenfutter aus. Es besteht in der Regel aus Muskelfleisch und/oder Innerein und Organen, Getreide oder anderen Kohlenhydratquellen, Fetten und Ölen tierischen sowie pflanzlichen Ursprungs, pflanzlichen Nebenprodukten, welche als Ballaststoffquelle dienen sowie diversen Zusatzstoffen (Vitaminen, Mineralstoffen, etc). Die verschiedenen Komponenten werden entweder zu Brei verarbeitet und miteinander vermischt (= „homogenisiert“) oder aber als stückige Bestandteile in Soße oder Gelee angeboten. Verpackt werden diese Futtermittel in Dosen, Aufreißschalen oder -beuteln sowie in Folienbeuteln. Die Verdaulichkeit von Nassfuttermitteln beträgt um die 90% und mehr.

Die Nährstoffe im Feuchtfutter ist nur bedingt mit den Nährstoffen in Trockenfuttermitteln vergleichbar. Feuchtfuttermittel besitzen die den deutlich höheren Feuchtigkeitsanteil nur ca. 1/3 des Energiegehaltes vom Trockenfutter, haben aber einen höheren Anteil an Rohprotein und Rohfett (bezogen auf die Trockensubstanzgehalte von Rohprotein, Rohfett und zum Teil auch Rohasche). Besondere Aufmerksamkeit sollte man als Hundehalter auf die Angabe zum Feuchtigkeitsgehalt des Futtermittels legen. Schon 2% mehr oder weniger Feuchte können einen erheblichen Unterschied in der Trockensubstanz, also dem ausschließlich nährstoffreichen Substrat, welches übrig bleibt, wenn man den prozentualen Anteil des Wassers vom Futter abzieht, machen. Weniger Feuchte bedeutet mehr Trockensubstanz. Man sollte daher immer die Feuchtigkeitsgehalte, aber auch die Angemessenheit des verlangten Kaufpreises im Auge behalten. Grundsätzlich gilt: Je mehr Feuchtigkeitsanteil im Futter enthalten ist, umso geringer ist der Energiegehalt und umso mehr muss gefüttert werden.

Aufpassen muss man bei Feuchtfuttermitteln, welche mit 100% Fleischanteil werben. Diese sind nur Ergänzungsfuttermittel für selbstzubereitete Mahlzeiten und als Alleinfutter nicht ausreichend!

Generell ist der Fleischanteil in den meisten Nassfuttermitteln höher als in vergleichbaren Trockenfuttermitteln. Die Gabe von Nassfutter führt allerdings häufig zu relativ weichem Kot, welcher zu Problemen führen kann (z.B. Analdrüsenverstopfung, etc). Der Wasserbedarf bei mit Feuchtfutter ernährten Hunden ist selbstverständlich deutlich geringer als der gegenüber jenen Hunden, welche Trockenfutter in den Napf bekommen. Sehr eiweiß-, mineralstoff- und vitaminreiche Nassfutter können ohne Probleme mit Kohlenhydratquellen als zusätzliche Energielieferanten kombiniert werden.

Natürlich gelten auch für Nassfuttermittel die gleichen Faktoren hinsichtlich Deklaration, Inhaltsstoffe und analytische Bestandteile. Die Rohasche sollte bei <2% liegen, das Rohfett bei >1% und die Rohfaser bei >0,2%. Die Feuchtigkeit liegt meist zwischen 70 und 80%.

Feuchtfutter bringt einige Vorteile. Zum Beispiel ist es lange haltbar und erfreut sich hoher Akzeptanz bei den Vierbeinern. Jedoch ist es auch teurer, da aufgrund des geringeren Energiegehalts eine größere Futtermenge zur Deckung des jeweiligen Bedarfs nötig ist.

Welches Futter für den Hund das Beste ist, ist selbstverständlich auch beim Nassfutter individuell zu betrachten. Je nach Rasse, Alter, eventuellen Erkrankungen usw hat jeder Vierbeiner auch individuelle Ansprüche. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass meine Erläuterungen hilfreich sind, um sich im Dschungel der Futtermittel besser zurecht zu finden.